Radon ist ein natürlich vorkommendes radioaktives Edelgas, das beim Zerfall von Uran in Gestein und Boden entsteht. Es ist farb-, geruchs- und geschmacklos und kann deshalb vom Menschen nicht wahrgenommen werden. Über undichte Stellen in erdberührten Bauteilen kann Radon in Gebäude gelangen und sich dort anreichern.
Welche Gefahr geht von Radon aus?
Radon ist ein relevanter Risikofaktor für Lungenkrebs. Nach Angaben der WHO steigt das Lungenkrebsrisiko mit zunehmender langfristiger Radonbelastung: Pro Anstieg der Radonkonzentration um 100 Bq/m³ erhöht sich das Risiko um etwa 16 Prozent. Die WHO bezeichnet Radon in vielen Ländern als zweitwichtigste Ursache für Lungenkrebs nach dem Rauchen.
Dabei sind 100 Bq/m³ keine feste Grenze, ab der Radon plötzlich gesundheitsschädlich wird. Die WHO empfiehlt diesen Wert vielmehr als Referenzwert für Innenräume, sofern er unter den jeweiligen Bedingungen erreichbar ist.
Welche gesetzlichen Vorgaben gelten in Deutschland?
Mit dem Strahlenschutzgesetz wurden verbindliche Regelungen zum Schutz vor Radon geschaffen. Für Aufenthaltsräume und Arbeitsplätze gilt in Deutschland ein Referenzwert von 300 Bq/m³ als Jahresmittelwert.
Bei Neubauten mit Aufenthaltsräumen oder Arbeitsplätzen müssen geeignete Maßnahmen getroffen werden, um den Eintritt von Radon aus dem Baugrund zu verhindern oder erheblich zu erschweren. In ausgewiesenen Radonvorsorgegebieten gelten zusätzliche Anforderungen.
Wie gelangt Radon ins Gebäude?
Radon kann insbesondere über Risse, Fugen sowie nicht ausreichend abgedichtete Rohr- und Kabeldurchführungen eindringen. Dabei spielen zwei Wege eine Rolle:
Konvektion: Durch Druckunterschiede kann radonhaltige Bodenluft über undichte Stellen in das Gebäude gelangen.
Diffusion: Radon kann aufgrund unterschiedlicher Konzentrationen durch erdberührte Bauteile und Materialien wandern.
Gerade Durchführungen für Ver- und Entsorgungsleitungen sind deshalb bei der Gebäudeabdichtung besonders zu berücksichtigen.
Wie lässt sich Radon messen?
Die Radonkonzentration kann unter anderem von der Beschaffenheit des Bodens, der Gebäudehülle, der Witterung sowie vom Lüftungs- und Nutzungsverhalten beeinflusst werden.
Da die Konzentration im Jahresverlauf schwanken kann, sind längere Messungen aussagekräftiger. Für die Ermittlung des Jahresmittelwerts werden beispielsweise passive Radon-Exposimeter eingesetzt. Das Bundesamt für Strahlenschutz beschreibt für entsprechende Messungen üblicherweise einen Messzeitraum von zwölf Monaten.
Radonschutz bei Hauseinführungen
Eine fachgerechte Abdichtung der erdberührten Gebäudehülle trägt dazu bei, den Eintritt von Radon zu verhindern beziehungsweise erheblich zu erschweren. Das gilt insbesondere für Hauseinführungen von Rohren und Kabeln.
Der Fachverband Hauseinführungen für Rohre und Kabel e. V. (FHRK) unterscheidet dabei zwischen „radonsicheren“ und „radondichten“ Gebäudeeinführungen. Als radonsicher gelten nach dem FHRK-Standard Gebäudeeinführungen mit einem entsprechenden Nachweis der Wasser- oder Gasdichtheit nach FHRK- oder DVGW-Prüfgrundlage.
In Radonvorsorgegebieten können zusätzliche Anforderungen an die Diffusionshemmung relevant sein. Nach dem FHRK-Standard gelten Gebäudeeinführungen als radondicht, wenn sie zusätzlich einen entsprechenden Nachweis der Diffusionshemmung besitzen.
Fazit
Radon kann über undichte Stellen im erdberührten Bereich in Gebäude gelangen. Eine fachgerecht ausgeführte und geeignete Hauseinführung ist daher ein wichtiger Bestandteil des Radonschutzes. Besonders in Radonvorsorgegebieten sollten die gesetzlichen Anforderungen und geeignete, nachgewiesene Abdichtungssysteme bereits bei der Planung berücksichtigt werden.
